Samstag, 6. Juli 2013

Beruf Nr. 11 - Der Schatzsucher

Juni 2013
Besuch beim Grafen Nikolaus von Sandizell - Wiederentdecker, Erforscher, Schatzsucher, Unternehmer.
Ich war schon ein bisserl angespannt, dass wir einen Grafen interviewen und fotografieren durften. Aber schon bei der Begrüßung wurde klar, dass hier kein versnobter Adeliger, sondern wieder einmal eine supernette bemerkenswerte Persönlichkeit zu unserem Projekt gestoßen war.
Wir haben uns in einem der wundervollen privaten Zimmer des Schlosses Sandizell unterhalten und es war ein sehr entspanntes, hochinteressantes Gespräch.

Graf von Sandizell hat 1995 seinen Job an den Nagel gehängt und ist Schatzsucher geworden, bzw. hat das Bergungsunternehmen Arqueonautus Worldwide aufgebaut.
Warum er seinen Job als gutbezahlter Manager bei MAN aufgegeben hat, wird in den meisten Interviews immer damit erklärt, dass Nikolaus von Sandizell neue Herausforderungen gesucht hat.
Uns hat er aber gleich am Anfang verraten, dass er wahrscheinlich Schatzsucher geworden ist, damit er keine Krawatten mehr tragen muss....

In erster Linie sieht er sich als Wiederentdecker und Bewahrer alter Kulturgüter. Er möchte nicht nur die Schätze bergen, Gold und Reichtum interessieren ihn nicht, erzählt er. Aber durch die wissenschaftliche Arbeit, die er auch leistet, werden diese alten Schiffe und ihre Geschichte wieder zum Leben erweckt. Und genau das sei das Großartige an seiner Arbeit als moderner Schatzsucher.

Natürlich sind solche Expeditionen und Bergungen unheimlich teuer und deshalb ist sein Unter-nehmen auch ein kommerzielles, d.h. die schönsten Funde kommen in die Museen und der Rest wird verkauft. Der Staat, in dessen Gewässern das Wrack liegt, und Arqueonautus teilen sich den Gewinn.

Ein erfolgreicher Schatzsucher zu sein, hat mit Romanfiguren recht wenig gemeinsam. Die Leiden-schaft und die Passion, ja, die gehören unbedingt dazu, aber man muss auch organisatorisches, marktwirtschaftliches und teamfähiges Denken mitbringen. Nikolaus hat uns erzählt, dass er erst sein Unternehmen gegründet hat, nachdem er 1 Jahr lang intensive Recherche betrieben hat und vor allem auch gescheiterte Expeditionen analysiert hat. Dabei wurde ihm klar,  dass Schatzsuche nur im Team funktioniert: Man braucht Experten aus 7 Bereichen -  Archivrecherche, Finanzierung, Konservierung, Suche, Bergung, Verhandlungsführer mit den Regierungen und natürlich auch die Kommerzialisierung.

Und wie man sieht, geht sein Konzept auf. Arqueonautus hat schon viele großartige Erfolge und Bergungen zu vermelden. Momentan arbeitet Graf von Sandizell an einem wunderbaren Projekt, bei dem es um die Bergung der Fracht eines Schiffes aus der Kaiser-Wanli-Zeit geht. Ich bin fasziniert von dieser Begeisterung, die seine Erzählungen ausstrahlen.

Bei der Frage, ob er auch als Jugendlicher schon "ein Suchender" gewesen ist, muss der Graf ein wenig überlegen. Geschichtlich interessiert sei er schon immer gewesen und er war von klein an ein glühender Verehrer des Meeresforschers Hans Hass. Er hatte auch ein Herbarium mit mehreren 100 Exemplaren und arbeitete schon als 12-jähriger mit einem Turmfalken. Das war alles, was ihn ein wenig von den Anderen unterschied. Schon früh hat er dann für MAN erfolgreich im Ausland gearbeitet.

Und dann, im Alter von 36 hat er sich doch entschlossen, einem Traum zu folgen. Und er bereut keinen Tag. Das Schönste an seinem Beruf ist laut Nikolaus, ein unberührtes Wrack zu finden.
Dämliche Aussagen über seinen Beruf, die diesen in schlechtes Licht rücken, ärgern ihn maßlos.

Aber am meisten Nerven kosten unseren modernen Schatzsucher die Verhandlungen mit der UNESCO. Die Organisation bevorzugt es nämlich, Funde "In Situ" zu belassen, d.h. die Unesco meint, es wäre natürlicher, wenn diese Wracks und ihre Schätze vor Ort, so wie sie gefunden werden, katalogisiert, benannt und geschützt werden.
Graf von Sandizell hat uns aber erklärt, dass das vielleicht innerhalb der EU funktionieren kann, aber nicht in Ländern, wie z.B. Indonesien oder Mozambique. Sowohl Schatzräuber, die alles kaputt machen, weil sie nur am eigentlichen Schatz interessiert sind, als auch die furchtbare Schleppnetz-Fischerei, die alles, nicht nur die Natur, sondern auch die Wracks einfach niederwalzt, haben schon jetzt dazu geführt, dass beispielsweise in Indonesien schon 19 von 20 Schiffswracks zerstört wurden. Es ist wohl schlichtweg unmöglich, dort die Funde "in situ" zu belassen, weil sie nicht geschützt werden können. Dieses Wissen macht ihn regelrecht fertig.

Ich habe großen Respekt vor diesem Mann, der mit so viel Einsatz und Leidenschaft seinen Traum lebt, ein Traum, der zwar gut durchdacht, aber trotzdem nicht einfach ist. Schatzsucher sein kann man nur mit Leib und Seele, es ist kein "8 to 5 Job", aber Graf von Sandizell strahlt so viel positive Energie aus, dass man spürt, es war die richtige Entscheidung für ihn. Manfred und ich waren sehr glücklich, wieder einmal einen Menschen kennengelernt zu haben, der einen alternativen Lebensweg eingeschlagen hat und damit glücklich wurde.

http://www.12malanders.com/ 

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