Montag, 21. Januar 2013

Geza Schön - ein Rebell unter den Parfumeuren

Januar 2013

Geza Schön ist einer von 5 freiberuflichen Parfumeuren auf der ganzen Welt, einer der "jungen Wilden" in seiner Branche und er ist sehr erfolgreich. Einige seiner Duftkreationen sind im Gegensatz zu den meisten herkömmlichen Parfums auf einem einzigen Duftstoff als Basis aufgebaut - und der ist auch noch synthetisch.

Wir waren gut vorbereitet, als wir ihn besuchten, waren natürlich informiert über seine Arbeit, hatten das Tsatsiki am Abend zuvor beim Griechen weggelassen und das doch stärker riechende Körperöl nach dem Duschen am Morgen auch.
Ich war ehrlich gesagt, schon ein klein wenig nervös, so einen bekannten Parfumeur interviewen zu dürfen.

Nach kurzer Zeit oben in seinem Penthouse in Kreuzberg war Entspannung angesagt - Geza ist ein total symphatischer, humorvoller, hochinteressanter Mann, der keinerlei Starallüren hat und mit seiner individuellen Art zu arbeiten perfekt zu unserem Projekt passt.

                                       Über den Dächern von Kreuzberg. © photoworks-manfredi
 
"Parfumeur werden kann eigentlich jeder", erzählt er. Voraussetzungen dafür ist die Gabe, offen zu sein, beschreiben und assoziieren zu können und eine große Portion Geduld. Denn das Wichtigste an der Ausbildung ist, die Duftstoffe erkennen zu können, diese dann exakt zu beschreiben und zu lernen, wie diese Stoffe mit anderen Stoffen reagieren. Es ist eine langandauernde Erfahrungs-sammlung und wichtiger als eine "gute Nase" ist die Fähigkeit, ein Vokabular aufbauen zu können, um die Unterschiede und Eigenheiten der Stoffe benennen zu können.

Wie die meisten unserer außergewöhnlichen Berufe ist auch dieser Beruf kein Ausbildungsberuf im herkömmlichen Sinn. Die Ausbildung findet meistens in den jeweiligen Parfumunternehmen statt und dauert 3-5 Jahre.

Es braucht schon eine Portion Glück, einen der wenigen Ausbildungsplätze zu ergattern. Weltweit gibt es nicht mehr als 500 Parfumeure. Arbeitsbereich ist nicht nur die klassische Parfumherstellung , sondern generell die "Riechstoffindustrie", wo Düfte für Cremes, Seifen, Shampoos etc entwickelt werden.
Neu dazu gekommen ist der Bereich der Firmendüfte, also der Corporate Scent. Auch hier hat Geza Schön schon sein Können und seine Erfahrung eingebracht.

Seit 2002 arbeitet er freiberuflich als Parfumeur und hat sich so die Freiheit geschaffen, Düfte zu kreieren, die einfach "anders" sind und sich nicht dem Zwang der Marketingabteilungen der Duftindustrie beugen müssen. Dazu zählen seine sog. Monodüfte mit nur einem einzigen Riechstoff als Basis - Escentric Molecule 01, 02 und 03 waren der Beginn seines Erfolges.

                                                          Im Gespräch mit Geza Schön. © photoworks-manfredi

Die Beschreibung des Escentric 02 von Escentric Molecules will ich euch nicht vorenthalten:

..." Der Auftakt ist frisch, scharf und eiskalt: ein Gin Tonic mit Soda, vielen klirrenden Eiswürfeln, dazu ein Spritzer fruchtiger Mandarine. Es folgt ein Hauch zart-blumiger Noten aus Iriswurzel, Holunderblüten und dem dezentem Jasminduft von Hedione. Die Basis besteht aus einem Dreiklang von leichtem Vetiver, Zedernholz und Muscone, einem naturidentisches Moschusmolekül und eine Prise Tonkabohne, die, so Geza Schön, für einen „warmen Schmelz im Fond sorgt. Und natürlich eine wuchtige, hochdosierte, aber nahezu duftneutrale Portion Ambroxan.
Die Duftnoten sind
  • Ambroxan, Gin, Tonic, Almdudler, Mac Powerbook, Mandarine, Iris, Hedione, Holunderblüte, Muskateller, Salbei, Muscone, Vetiver, Zedernholz, Zistrose

Ich durfte an dem synthetischen Grundstoff Ambroxan riechen - und muss sagen, dass ich ihn absolut nicht als duftneutral empfunden habe, sondern es unglaublich fand, dass ein einziger Duftstoff so ein Dufterlebnis sein kann. Dafür konnte ich beim besten Willen beim Parfum die Note Mac Powerbook nicht herausriechen...

So ist es nicht verwunderlich, dass Geza mit nur 500-700 Duftessenzen arbeitet. Diese Essenzen (übrigens in einem Preisbereich von 1,80 - 42000 EUR/kg), eine Waage, ein Stift, eine Rezeptur - mehr ist nicht nötig, wenn man wie Geza Kreativität, Lust am Arbeiten, Ideenreichtum und diesen ganz eigenen mutigen Stil hat.

                                                     Der Meisterparfumeur bei der Arbeit. © photoworks-manfredi

Ganze 3 Stunden durften wir eintauchen in die Welt der Essenzen, Düfte, Marketingstrategien - und ich weiß jetzt, worauf ich hinspare....wenn man, nein frau einmal so etwas Außergewöhnliches, Feines gerochen hat, will frau sich nicht mehr mit den 08/15-Düften von Douglas & Co umhüllen.
(Vielen Dank, lieber Geza, dass du mir nicht die Augen, aber die Nase geöffnet hast....)

"12 mal anders" hat uns wieder mal einen tollen Tag mit einer hochinteressanten Persönlichkeit und einem wirklich außergewöhnlichen Beruf geschenkt.

 

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